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TS
Manifest
Oktober 2026
Acht Punkte aus einer Praxis
Gesicht
und Fiktion
Ein Manifest, geschöpft aus timoschuster.com. Acht Sätze, die die Praxis von Timo Schuster tragen — über die Interpolation des eigenen Körpers, die Provenienz als Redlichkeit, den Antikensaal als Störung und die KI als Strategie des Überlebens.
I
Das Self-Porträt ist interpoliert
Der Körper, der im Bild auftaucht, ist nicht Schusters Körper.
Er ist aus Schuster berechnet — eine statistische Approximation,
die weder Inszenierung noch Verkleidung ist. Schuster stellt
Trainingsdaten zur Verfügung, die Maschine interpoliert.
II
Jedes Bild kommt mit Geburtsurkunde
Werk-ID, Modellname, Seed, Steps, Guidance, CFG Scale, LoRA,
SHA-256-Hash, Prompt und Negative Prompt. Das Bild ist nicht
autonomes Werk, sondern zitierte Rechenoperation, deren
Input-Variablen restlos dokumentiert sind.
III
Die Maschine wird beim Namen genannt
stable-diffusion.cpp. krea2_turbo-Q4_K_M.gguf.
Qwen3-VL-4B-Instruct. Wan2_1_VAE_bf16. skreaneuer.safetensors.
Es gibt keinen Künstler-Mythos mehr. Es gibt nur noch einen
Operator, der Parameter einstellt.
IV
Manche Selfies sind Hochglanz
Nicht alle Bilder verweigern sich dem Glamour. Manche KI-Selfies
sind Hochglanz: der Aristokrat in barocker weißer Robe, der
Cowboy im Sonnenlicht des amerikanischen Westens, der Sci-Fi-
Krieger mit Smaragdgoggles. Schuster bedient den Glanz und
durchkreuzt ihn zugleich — durch den Provenienz-Block, der
jede Pose als Rechenoperation entlarvt.
V
Der Antikensaal wird gestört
KI-Körper, die zwischen römische Marmorbrüste und griechische
Vasen gehängt werden. Cowboy-Ästhetik trifft auf Winckelmann.
Der Marmorkörper durfte nie Konstruktion sein. Schusters
Körper können Konstruktion sein, weil sie als Konstruktion
geboren wurden.
VI
Identität ist eine Wolke
Wer einmal gelernt hat, dass das eigene Selbst keine feste Burg
ist, sondern eine Wolke möglicher Zustände, hat keine
Schwierigkeiten mehr, sich als Cowboy oder als Aristokraten
zu generieren. Die Diagnose ist die Vorgeschichte der
Interpolation.
VII
Kunst ist Strategie des Überlebens
»Strategy for survival and self-assertion«. Kunst ist nicht
Therapie. Sie ist die Kompetenz, Parameter zu wählen. Die
künstlerische Autorschaft ist, was sie in einer algorithmischen
Epoche noch sein kann.
VIII
Ludwigshafen bleibt der Grund
Arbeiterkind, Katholizismus, BASF-Dampf, Walzmühle, Sprengung
1993. Die industrielle Heimat ist das Substrat, aus dem die
algorithmische Praxis ihre Nüchternheit zieht. Wer die Ränder
kennt, hat kein Interesse an Bildern, die so tun, als seien
sie naturally given.